Kein Blatt vor den Mund

...nehme ich, wenn es darum geht, mit den Krisen und Katastrophen unserer Zeit - und vor allem den Verantwortlichen - ins Gericht zu gehen.

Faktentreue und differenzierte Darlegungen treffen auf Polemik und Zuspitzung. Am Ende stehen Analyse und Positionen, die nicht darauf abzielen, gemocht zu werden. Einzig geht es mir darum, etwas zur Bewältigung des aufkommenden sozialökologischen Kollapses beizutragen. Wahrheit und Aufrichtigkeit stehen dabei an erster Stelle.

 

Mein Ansatz

Der sozialökologische Kollaps

Die Weltgesellschaft ist einem sozialökologischen Kollaps ausgesetzt. Dieser zeichnet sich durch ein komplexes Zusammenwirken verschiedener Krisen und Katastrophen aus. Vier Aspekte sind dabei unbedingt zu beachten.

  1.  Es handelt sich bei der Definition nicht um primitive und fanatische Weltuntergangsszenarien oder apokalyptische Spinnereien. Vielmehr geht es um faktenbasierte & physikalische Betrachtungen.
  2. Um dem Zusammenbruch zivilisatorischer Leitplanken entgegenzuwirken, ist es nötig die inbegriffenen Vorgänge nicht als ein "Gegen" zu definieren. Vielmehr erweist sich die Akzeptanz dessen als hilfreich, um nach sozialverträglichen Lösungen zu suchen.
  3. Faktor Mensch
  4. Deswegen VErgesellschaftung

Im Folgenden werden die Kernelemente des sozialökologischen Kollapses erläutert.

Gesellschaft

Das Herz einer Gesellschaft sind die in ihr lebenden Menschen.

Sie ist schließlich kein leeres Konstrukt. Vielmehr setzt sie sich aus den unzähligen Verbindungen der einzelnen Mitglieder zusammen.

Gesellschaft ist, weil Menschen zusammenleben und miteinander interagieren. Sie beinhaltet Regelwerke und ethische Leitlinien, damit ein Auskommen miteinander möglich ist.

Eine Gesellschaft, in der nur wenige (Überreiche & unlautere Politiker*innen)  essentielle Entscheidungen treffen, ist dem Zerfall ausgesetzt.

Ökologie

Das Ökosystem Erde, mit seinen lokalen und planetaren Ökosystemen und den dazugehörigen Bakterien, Einzellern, Pilzen, Pflanzen, Tieren und Menschen, ist ein schier endlos komplexes Geflecht an Verbindungen. Sein Funktionieren ist vom Zusammenwirken aller abhängig.

Verliert dieses komplexe Geflecht weiter an Verbindungen, weil profitgierige Konzerne und Überreiche sie zerstören, zerbröckelt das Fundament für die menschlichen Gesellschaften.

Freie Gesellschaften sind ohne ein funktionierendes Ökosystem Erde unmöglich.

 

Kapitalismus

Kapitalismus ist mehr als nur ein Wirtschaftssystem. Es ist eine Ideologie, die bis in die kleinsten zwischenmenschlichen Beziehung vorgedrungen ist.

Um zu funktionieren, benötigt der Kapitalismus das Ökosystem Erde, da es die lebenden und nicht-lebenden Bestandteile zu Ressourcen abwertet.

Ebenso ist er von Milliarden Menschen abhängig, die es unterwirft, asubeutet und in Armut hält. 

Ohne dies beiden Komponenten ist Kapitalismus unmöglich.

Doch ist Kapitalismus eigentlich keine "er". Kapitalismus ist eine ideologische Instrument, weniger Überreicher und Großkonzerne, durch den sie Profit und Macht erhalten und ausweiten können.

 

Neofeudalismus

Die bisherige zugespitzte Form des Kapitalismus ist der Neoliberalismus. Ganz besonders ist er darauf aus, dem Staat jeglichen Zugriff zu entziehen.

Wenn jedoch nur noch Konzerne und Überreiche besitzen, werden Entscheidung ebnso nur noch von ihnen getroffen. Da ihr obersets Zeil der Profit ist, führt dies zu Entscheidungen die sich gegen die Interessen von uns, als Gesellschaft, richten.

Mittlerweile sind Besitz und Entscheidungsgewalt soweit verlagert, das der Kapitalismus durch einen neuen Feudalismus abgelöst wird.

Ungleichheit

Ungleichheit ist das Fundament für Kapitalismus und Feudalismus: Sind die vielen nicht arme, bleiben die wenigen nicht reich.

Dies Ungleichheit bezieht sich jedoch nicht nur auf unseren wirtschaftlichen Status. ebenso herrscht eine große Ungleichheit in der Verteilung von Entscheidungsmacht.

Ungleichheit muss also nicht nur im wirtschaftlichen Sinne bekämpft werden, ebenso müssen wir uns die Macht zurückholen, als Gesellschaft selbst über wichtige Dinge entscheiden zu können. Beide Aspekte sind miteinander verbunden. Haben wir mehr Entscheidungsgewalt, können wir wirtschaftlich Ungleichheit auflösen und umgekehrt.

Ständegesellschaft

Noch immer ist die Rede von einem gerechten Sozialstaat. Doch löst dieser sich zunehmend auf. Immer weniger Menschen besitzen den Großteil des eErmögens und immer mehr Menschen sind an Armut gefesselt. Mit einer gleichberichtigten und gerechten Gesellschaft hat dies wenig zu tun.

Die Klassengesellschaft (basierend auf ökonomischem Status) wird von einer Ständegesellschaft (basierend auf Geburt und Tradition) abgelöst.

Neben die Aufstiegeslogik (die strukturell und physikalisch unmöglich ist) gesellt sich die Geburtslogik (reiche sind reich weil sie erben).

Neo-Faschismus

Das Erstarken faschistischer Kräfte als gegenwärtig sichtbarste Gefahr ausmachen. Angesichts dieser politischen Gemengelage sind selbst Wahlen Teil des demokratischen Niedergangs. Durch die Überhöhung der Bedeutung von Wahlen, wird den Wahlberechtigten suggeriert, direkten Einfluss auf das politischen Geschehen zu haben. Die aktuelle Beschaffenheit der Demokratie in Deutschland wird als absolut bezeichnet. Mit Stolz und Euphorie gefüllt, vermittelt diese Erzählung, dass keine höhere Form (im Sinne von Partizipation und Emanzipation) möglich sei. Es zeigt sich jedoch immer wieder aufs Neue, dass eine Vielzahl von Wahlversprechen nicht eingelöst wird. Diese oligarchischen Tendenzen können tiefschürfendem Unmut in uns auslösen. Ohnmacht bezüglich der eigenen politischen Machtausübung ist dann die Folge, da Enttäuschung und Ernüchterung auf oft mühsam aufrechterhaltene Hoffnung folgen. Statt in Willensbildung mündet berechtigte Wut jedoch nicht selten in Resignation und Rage. In diese Wunde stechen autoritäre bis neofaschistische Kräfte. Von der rechtsextremen AfD und rechtsextremen Think-Tanks bis hin zu fossilfaschistischen Medienkonzernen wie der Springerpresse.

Trump macht es aktuell vor. Sein faschistische Agenda – eingebettet in das „Project 2025“ – zeigt, wohin die Höllenfahrt des demokratischen Zerfalls führen kann. Enttäuschte Menschen wählen einen offensichtlichen Faschisten, der ihnen Heilsversprechungen macht, indem er marginalisierte Gruppen als Schuldige stilisiert, Desinformation und Verschwörungserzählungen als Politikstil etabliert, sowie soziale Freiheit einschränkt und durch Gleichschaltung ersetzt. Dies zeigt wie hilf- und orientierungslos die Bewohner:innen demokratischer Staaten, durch die immer wiederkehrenden Enttäuschung politischer Entscheidungen und die Furcht vor anwachsende Krisen, bereits sind.

Das Substrat für einen neuen Faschismus könnte kaum nährreicher sein.

 

Feudalfaschismus

Wer den Kapitalismus inkonsequent herausfordert, bekommt Faschismus als Antwort.

Um ihre Machtbereiche fortlaufend auszuweiten, paktieren Überreiche mit neofaschistischen Akteur*innen. Wenn Überreiche dazu in der Lage ist, nicht nur medial Diskurse zu lenken, sondern auch Wahlen von souveränen Staaten maßgeblich zu beeinflussen, dann erscheint der Begriff des Rechtslibertarismus als ungenügend, wenn es darum geht sie ideologisch inzuordnen.

Vielmehr haben wir es mit einer neuen Form von Feudalismus zu tun: Überreiche machen gemeinsame Sache mit Faschist*innen und versuchen sie in Regierungen zu installieren. Doch erscheint ihnen Faschismus nicht nur ein Mittel zur Durchsetzung ihrer Interessen zu sein. So verbreiten sie selbst mit Populismus und Propaganda Angst, Hass, Lügen und Verschwörungserzählungen.

Während Kritiker*innen sich bisher, in Debatten um die Zusammenhänge von Kapitalismus und Faschismus, zu sehr auf fossilfaschistische Kollaborationen konzentriert haben, wird nun klar, dass Big Tech-Faschisten bisweilen auch ohne fossilen Fokus ihre Machtkonzentration ausweiten: Der Feudalfaschismus scheint geboren.

Propaganda & Populismus

Die Rolle von Medienkonzernen am Beispiel Springer

Ein bezeichnendes Beispiel für die Enflussnahme Überreicher und Großkonzerne auf die öffentliche Meinungsbildung ist der Springer-Konzern und die interessengeleitete Einflussnahme seiner Anteilseigner. Besonders zu erwähnen ist der US-Finanzinvestor KKR (einer der größten Investoren in fossile Energien). So dient Springer als Instrument von milliardenschweren Fake-News-Kampagnen gegen alles, was die fossile Hegemonie infrage stellt.

Faktor Mensch

Das erfahren von zu viel Macht, verdirbt den Menschen.

Sind sie zu Beginn auch motiviert mit ihrem Einfluss Gutes zu tun, kann das Machtgefühl dieses Bestreben durchkreuzen. 

Ganz besonders, wenn diese Macht zu schwinden scheint. Mächtige sind zu allem bereit, um ihre Macht zu erhalten.

Wir alle können diesem Fatalismus verfallen.

 

Entscheidungsmacht

Besitz schafft Macht: Wer besitzt, verfügt. Wer verfügt, entscheidet. Wer entscheidet, übt Macht aus. Die Beseitigung Ungleichheiten und die Beendigung der Zerstörung planetarer Lebensgrundlagen können nicht ohne eine Umstrukturierung bestehender Eigentumsverhältnisse bewältigt werden. Nur wenn diejenigen Menschen, die von ökonomischen und ökologischen Lebensgrundlagen abhängig sind, auch über diese verfügen und entscheiden, kann der ausbeuterischen Destruktivität ein gutes Leben entgegengestellt werden.

Gemeinschaftlichkeit

Wenn viele mitentscheiden, sind viele frei!

Um der Überreichen unf Faschist*innen die Substanz zu entziehen, bedarf es Möglichkeitsräume für Selbstwirksamkeitserfahrungen, in denen wir uns und andere als solidarische und loyale Individuen erleben. Selbstverwaltung ist damit Mittel und Zweck zugleich. Durch Vergesellschaftung können diese Möglichkeitsräume geschaffen werden. Sie bieten allem voran Netzwerke die in Krisenzeiten kompensatorisch wirken und der Entstehung von Verknappung und Vereinsamung vorbeugen können.

Solidarische Gemeinschaftlichkeit bietet Befreiungspotentiale von übergeordneten Zwängen, die im Neoliberal-Kapitalismus unumgänglich sind. Kollektivität ist so nicht als Freiheitsbegrenzend zu betrachten, ganz im Gegenteil gewährleistet sie eine Gegenwart und vor allem Zukunft mit Entfaltungs- und Sicherheitspotential.

Es geht um nicht weniger, als zu entscheiden, ob wir kurzweilige Befriedigung durch Konsum und Egoismus, oder solidarische Gemeinsamkeit für ein mündiges und zukunftsaffines Leben vorziehen.

Vergesellschaftung & Selbstverwaltung

Kollektivität als Schlüssel für die Lösungsfindung

Wer ist schneller: Der Feudalfaschismus oder der sozialökologische Kollaps?

Dies ist verstrickt. So ist es auf den ersten Blick nicht immer leicht, zu verstehen, dass die fortlaufende Zerstörung von planetaren und lokalen Ökosystemen zu Systemzusammenbrüchen, in der Weltgesellschaft als Ganzes führen wird. Doch bevor es zu gänzlichen ökologischen Ausfällen kommen wird, werden die Symptome des sozialen und ökologischen Kollapses Gesellschaften so weit destabilisiert haben, dass autoritäre oder gar totalitäre Regierungsformen an die Stelle der mehr oder weniger freiheitlichen Demokratie treten werden.

Diese Tendenz können wir in Deutschland bereits beobachten. Eine Mischung aus zahlreichen Faktoren und Akteur*innen erzeugt bereits jetzt eine essentielle Gefahr: Die Angst vor den Folgen des sozialökologischen Kollapses; die Leugnung wissenschaftlicher Fakten und real existierender Katastrophenereignisse; dafür verantwortliche Propaganda von fossilfaschistischen Koalitionen. Letztere bestehen aus der Springerpresse und anderen noch extremeren Propagandablättern, rechtskonservativen, rechts-neoliberalen (CDU/CSU und FDP) Parteien und einem ganzen Sammelbecken an rechtsradikalen, -extremen und faschistischen Kräften (AfD, Identitäre Bewegung, Neue Rechte u.a.).

Selbst die vermeintlich linksliberalen Parteien, wie SPD und Grüne, haben längst Moral und Anstand über Bord geworfen und beteiligen sich am Überbietungswettbewerb rechter Narrative, in der Hoffnung Stimmen für sich zu gewinnen. Doch erweisen sie sich nicht nur als unzuverlässig, wenn es darum geht die rhetorische Brandmauer nach rechts aufrechtzuerhalten, auch das Frönen neoliberaler Ausbeutungsideologie ist Teil ihrer Agenda. So sind auch sie Bestandteil einer wenig vertrauenswürdigen Politikriege, die ihre Entscheidungen mehrheitlich nach den Interessen des Profitlobbyismus richten.

Für das demokratische Souverän erweisen sie sich zunehmend als unzuverlässig, unberechenbar und unlauter, so dass der Unmut in der Gesellschaft weiter anwächst. Ein vielversprechendes Fundament für rechte Rattenfänger*innen, deren „Lieder“ von der angeblichen demokratischen Mitte einst komponiert und mittlerweile auch gesungen werden.

Vergesellschaftung als Bastion gegen die zweigliedrige Zerstörung des freien Lebens

Um die erneute Gefahr eines faschistischen Systems zu verhindern, muss dem deutschen Regierungssystem, das vom Profitlobbyismus durchzogen ist, Unterstützung zukommen. Eine (echte) Demokratie besteht aus mehr als gewählten Volksvertreter*innen, deren Handlungsfähigkeit und -wille in zu vielen essenziellen Belangen von einer oligarchischen Lightversion bestimmt wird. Wer den Kapitalismus inkonsequent herausfordert, bekommt Faschismus als Antwort.

Nur die Selbstermächtigung der Gesellschaft als Souverän wird imstande sein, der unwiederbringlichen Zerstörung von Lebensgrundlagen, Freiheit und Gerechtigkeit wirksam und rechtzeitig Grenzen aufzuzeigen: Vergesellschaftung ist nach diesem Verständnis nichts weniger als eine Bastion gegen die untrennbare zweigliedrige Zerstörung des freien Lebens.

Gleichzeitig muss ein Vergesellschaftungsprozess kritisch mit dem Wesen des Kollektivs umgehen, das es voraussetzt, vertreten will und dem es Selbstwirksamkeit ermöglichen will. Ein Blick in die Geschichte des ‚Dritten Reiches‘ und die Politik rechter Akteur*innen heute zeigt, dass die dualen Strategien der Enteignung und Vergesellschaftung effektiv genutzt werden können, um die Interessen einer als homogen angesehenen Mehrheit gegen die einer als Gegner*innen diffamierten Minderheit durchzusetzen. Die Frage, wie eine Gesellschaft und deren vorherrschenden politischen Institutionen, die durch Machtungleichheit strukturiert sind, durch einen Vergesellschaftungsprozess zu einer gerechten Verteilung an Macht kommen kann, ist demnach eine essenzielle, die sich jedes Vergesellschaftungsprojekt stellen muss.

Wir sollten uns also beeilen. Wenn wir kein neues „Wir“ schaffen, dann macht es der Feudalfaschismus. Dieses „Wir“ wird jedoch ein exkludierendes, völkisches und sehr gewaltvolles sein.


"Wir müssen verstehen: Das Leben auf der Erdoberfläche wird immer schneller ausgerottet und ein sozialökologischer Kollaps gewinnt an Wahrscheinlichkeit."

Tino Pfaff

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