Kein Blatt vor den Mund
...nehme ich, wenn es darum geht, mit den Krisen und Katastrophen unserer Zeit - und vor allem den Verantwortlichen - ins Gericht zu gehen.
Faktentreue und differenzierte Darlegungen treffen auf Polemik und Zuspitzung. Am Ende stehen Analyse und Positionen, die nicht darauf abzielen, gemocht zu werden. Einzig geht es mir darum, etwas zur Bewältigung des aufkommenden sozialökologischen Kollapses beizutragen. Wahrheit und Aufrichtigkeit stehen dabei an erster Stelle.

Mein Ansatz
Der sozialökologische Kollaps
Die Weltgesellschaft ist einem sozialökologischen Kollaps ausgesetzt. Dieser zeichnet sich durch ein komplexes Zusammenwirken verschiedener Krisen und Katastrophen aus.
6 Aspekte sind dabei unbedingt zu beachten:
- Es handelt sich bei der Definition nicht um primitive und fanatische Weltuntergangsszenarien oder apokalyptische Spinnereien. Vielmehr geht es um faktenbasierte & physikalische Betrachtungen.
- Um dem Zusammenbruch zivilisatorischer Leitplanken entgegenzuwirken, ist es nötig die inbegriffenen Vorgänge nicht als ein "Gegen" zu definieren. Vielmehr erweist sich die Akzeptanz dessen als hilfreich, um nach sozialverträglichen Lösungen zu suchen.
- Der Kollaps, sowie seine ökologischen & sozialen Ursachen - die zugleich Bedingungen und Symptome sind - ist keine plötzliche Erscheinung der letzten Jahre oder Jahrzehnte. Ursprung klimatischer, ökologischer & sozialer Krisen & Katastrophen, ist die europäische Kolonisierung des amerikanischen Kontinents. Augangspunkt der kapitalistischen Zerstörungswut ist also der europäische Kolonialismus.
- Daran angelehnt ist Ungleichheit essentielle Bedingung für das Erstarken des Kapitalismus und das Aufkommen des Kollapses. Aspekte von Ungleichheit: Klasse; Staatszugehörigkeit; Geschlecht; Ethnie und weitere Eigenschaften bzw. Zuschreibungen.
- Der Faktor Mensch ist zugleich Ursache des Problems, als auch Quelle der Lösungsfindung. Die Inkonstanz dieses Faktors erscheint auf den ersten Blick unauflösbar. Liegt der Fokus jedoch auf der Widersprüchlichkeit zwischen Hyper-Individualismus und Einzelmachte auf der einen, sowie Gemeinschaftlichkeit und Kollektivmacht auf der anderen Seite, scheint seine Inkonstanz weitestgehende eindämmbar.
- Ursache für den Kollaps ist die ungerechte Verteilung von Macht & Eigentum. Daran angelehnt erscheint es als unabdingbar diese ungerechte Verteilung aufzulösen. Die Enteignung von Großkonzernen und die Vergesellschaftung kritischer Infrastruktur, erscheinen als vielversprechende Lösungsansätze. Sie ermöglichen gesellschaftliche Selbstverwaltung & solidarische Lösungsfindung und eine Abkehr von kapitalistischem Profit- & Machtstreben.
Im Folgenden werden die Kernelemente des sozialökologischen Kollapses erläutert.
Gesellschaft
Das Herz einer Gesellschaft sind die in ihr lebenden Menschen.
Sie ist schließlich kein leeres Konstrukt. Vielmehr setzt sie sich aus den unzähligen Verbindungen der einzelnen Mitglieder zusammen.
Gesellschaft ist, weil Menschen zusammenleben und miteinander interagieren. Sie beinhaltet Regelwerke und ethische Leitlinien, damit ein Auskommen miteinander möglich ist.
Eine Gesellschaft, in der nur wenige (Überreiche & unlautere Politiker*innen) essentielle Entscheidungen treffen, ist dem Zerfall ausgesetzt.
Ökologie
Das Ökosystem Erde, mit seinen lokalen und planetaren Ökosystemen und den dazugehörigen Bakterien, Einzellern, Pilzen, Pflanzen, Tieren und Menschen, ist ein schier endlos komplexes Geflecht an Verbindungen. Sein Funktionieren ist vom Zusammenwirken aller abhängig.
Verliert dieses komplexe Geflecht weiter an Verbindungen, weil profitgierige Konzerne und Überreiche sie zerstören, zerbröckelt das Fundament für die menschlichen Gesellschaften.
Freie Gesellschaften und gesunder Wohlstand sind ohne das funktionierende Ökosystem Erde unmöglich.
Ungleichheit & Ständegesellschaft
Ungleichheit
…ist das Fundament für Kapitalismus und Neofeudalismus: Sind die Vielen nicht arm, bleiben die Wenigen nicht reich.
Diese Ungleichheit bezieht sich jedoch nicht nur auf unseren wirtschaftlichen Status. Zugleich herrscht eine große Ungleichheit in der Verteilung von Entscheidungsmacht.
Ungleichheit muss also nicht nur im wirtschaftlichen Sinne bekämpft werden, ebenso müssen wir uns die Macht zurückholen, als Gesellschaft selbst über wichtige Dinge entscheiden zu können. Beide Aspekte sind miteinander verbunden. Haben wir mehr Entscheidungsgewalt, können wir wirtschaftliche Ungleichheit auflösen und umkehren.
Ständegesellschaft
Noch immer ist die Rede von einem gerechten Sozialstaat. Doch löst dieser sich zunehmend auf. Immer weniger Menschen besitzen den Großteil des Vermögens und immer mehr Menschen sind an Armut gefesselt. Mit einer gleichberichtigten und gerechten Gesellschaft hat dies wenig zu tun.
Die Klassengesellschaft (basierend auf ökonomischem Status) wird von einer Ständegesellschaft (basierend auf Geburt und Tradition) abgelöst.
Neben die Aufstiegslogik (die strukturell und physikalisch unmöglich ist) gesellt sich die Geburtslogik (reiche sind reich, weil sie erben). Doch damit nicht getan. Hinter der Geburtslogik steckt nicht nur die ökonomische Geburt. Die oben beschriebenen Aspekte sind bis heute essentiell für gesellschaftliche Teilhabe.
Doch nicht nur die ökonomische Ungleichheit beinflusst die Teilhabe an der Gesellschaft. Die im nächsten Absatz beschriebene Einteilung ist bis heute sinnstiftend und strukturiert eine Gesellschaft, in der vor allem Staatszugehörigkeit, Ethnie, Geschlecht sowie sexuelle Orientierung & Identität und weitere Zuschreibungen über die Wertigkeit eines Menschen bestimmen.
Der Kollaps, sowie seine ökologischen & sozialen Ursachen - die zugleich Bedingungen und Symptome sind - ist keine plötzliche Erscheinung der letzten Jahre oder Jahrzehnte. Der Ursprung klimatischer und ökologischer Krisen und Katastrophen, ist die europäische Kolonisierung des Amerikanischen Kontinents. Augangspunkt der kapitalistischen Zerstörungswut ist die europäische Expansion auf den amerikanischen Kontinent.
Europäische Expansion
Kolonialismus, Kapitalismus, Patriarchat und Zweiteilung
Als vernunftbegabte Wesen hatte Kant einst die Menschen beschrieben. Zugleich war er der Auffassung, dass Schwarze, PoC und Indigene nicht gänzlich darunterfallen: »Allein die weißen Europäer, fähig zu voll entwickelter Kultur«.
Diese eklatante Widersprüchlichkeit – zwischen (angeblicher) Vernunft und dem bis heute tief sitzenden Rassismus – ist sinnstiftend für die Zeit der Aufklärung bzw. die europäische Moderne. Zum einen badet sicher der »weiße Mann« in der selbst zugeschriebenen Erhabenheit über alles »andere« in der Welt, und zum anderen sind ebendiese patriarchale Ideologie und die eng damit verbundene kolonial-kapitalistische Ausbeutung und Unterdrückung der Peripherie außerhalb des europäischen/kapitalistischen »Zentrums« die zugrunde liegende Weltanschauung der westlichen Aufklärung.
Die Ausbeutung weiter Teile der Welt durch weiße Europäer ist konstitutiv für den Aufstieg Europas zum kapitalistischen Zentrum der Welt und für die Entstehung der Moderne.
Die bis heute als fortschrittlich gepriesenen westlichen Demokratien fußen auf ebendiesen Verhältnissen. Ohne die Unterdrückung, Ausbeutung, Versklavung sowie massenhafte Vergewaltigungen und Ermordungen von Abermillionen Menschen aus Regionen und Ländern des Globalen Südens sowie die schwere, weitreichende und langfristige Zerstörung von Natur und ganzen Ökosystemen wäre der – bis heute als selbstverständlich behauptete – Wohlstand in dieser Form unmöglich gewesen.
Auch wenn es im 19. und 20. Jahrhundert zur Entkolonialisierung weiter Teile Amerikas, Afrikas, Asiens und der Karibik kam, bleiben die vom westlichen Kolonialismus aufgezwungenen Strukturen weiterhin erhalten. Koloniale Kontinuitäten zeigen sich unter anderem darin, dass Reichtum und Besitz noch immer ungleich verteilt sind. Während mehrheitlich weiße Menschen in Wohlstand leben und dafür die Natur zerstört wird, kämpfen insbesondere Indigene gegen die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen und Identitäten.
Am Beispiel der Kolonisierung der Amerikas lässt sich die Zweiteilung der hochkomplexen Welt skizzieren. Eine Binarität breitete sich über weite Teile des Globus aus: Kolonialherren herrschten über Kolonisierte. Diese Unterteilung kannte nur zwei Seiten: männlich und weiblich; »weiß« und »nicht weiß«; entwickelt und unterentwickelt; kultiviert und unkultiviert; rational und irrational/emotional; wertvoll und wertlos.
Während weiße Menschen, vor allem weiße Männer, der »wertvollen« Seite zugeordnet wurden, galten nahezu alle anderen Menschen als minderwertig bis wertlos.
Diese Einteilung lässt sich verkürzt auf drei Ebenen darstellen.
wurden Geschlechter einem binären Überbau untergeordnet. Jegliche individuelle und/oder kulturelle Definierung und Variation von Geschlecht und Geschlechtsidentität, die nicht dem binären Mann-Frau-Konstrukt entsprach, wurde im Zuge der Kolonisierung förmlich ausgelöscht. Während das Männliche als rational galt, wurde das Weibliche als emotional/irrational kategorisiert.
fand die sogenannte Rassialisierung oder Rassifizierung der Menschen statt. Aufgrund äußerer Merkmale oder Zuschreibungen wurden Menschen in »nicht weiß« und »weiß« unterteilt. Weiße galten als überlegen, rational und zivilisiert, Indigene, Schwarze und PoC hingegen als unterlegen, irrational und primitiv.
wurde eine Einteilung zwischen den Menschen und der Natur vorgenommen. Die Natur wurde als vom Menschen losgelöst betrachtet und einem ökonomischen Wert als Ressource untergeordnet. Ökosysteme, Pflanzen und Tiere wurden als etwas angesehen, das angeeignet, verbraucht, über das verfügt und das, wenn nötig oder aus schlichter Willkür, zerstört werden konnte.
Kapitalismus
Kapitalismus ist mehr als nur ein Wirtschaftssystem. Es ist eine Ideologie, die bis in die kleinsten zwischenmenschlichen Beziehungen vorgedrungen ist. In seiner zugespitzten Form, lässt er sich gar als Glaubenskonstrukt verstehen, dass kulturelle Glaubenssätze über physikalische Realitäten stellt.
Um zu funktionieren, benötigt der Kapitalismus das Ökosystem Erde, in dem er die lebenden und nicht-lebenden Bestandteile zu Ressourcen abwertet.
Ebenso ist er von Milliarden Menschen abhängig, die er seiner Ideologie unterwirft. Für sein Funktionieren beutet er sie aus und hält bzw. drängt sie in Armut. Damit folgt er einer intrinsischen Logik für sein Funkionieren. Zugleich ist es jene Logik, die am wenigsten propagiert wird.
Ohne diese beiden Komponenten ist Kapitalismus unmöglich.
Kapitalismus ist vielmehr ein “es” als ein "er". Es ist ein ideologisches und gar religiöses Konstrukt, dass wenigen Überreichen und Großkonzernen dazu dient, Profit zu generieren und Macht zu erhalten bzw. ausweiten.
Neofeudalismus
Die bisherige zugespitzte Form des Kapitalismus ist der Neoliberalismus. Ganz besonders ist er darauf aus, dem Staat jeglichen Zugriff zu entziehen.
Wenn jedoch nur noch Konzerne und Überreiche besitzen, werden Entscheidung ebenso nur noch von ihnen getroffen. Da ihr oberstes Ziel der Profit ist, führt dies zu Entscheidungen die sich gegen die Interessen der Gesellschaft richten.
Mittlerweile sind Besitz und Entscheidungsgewalt so weit verlagert, dass der Kapitalismus durch einen neuen Feudalismus abgelöst wird.
Neo-Faschismus
Das Erstarken faschistischer Kräfte lässt sich als gegenwärtig sichtbarste Gefahr ausmachen.
Angesichts dieser politischen Gemengelage sind selbst Wahlen Teil des demokratischen Niedergangs. Durch die Überhöhung ihrer Bedeutung, wird den Wahlberechtigten suggeriert, direkten Einfluss auf das politische Geschehen zu haben. Die aktuelle Beschaffenheit der Demokratie in Deutschland wird als absolut bezeichnet. Mit Stolz und Euphorie gefüllt, vermittelt diese Erzählung, dass keine höhere Form (im Sinne von Partizipation und Emanzipation) möglich sei.
Es zeigt sich jedoch immer wieder aufs Neue, dass eine Vielzahl von Wahlversprechen nicht eingelöst werden. Diese oligarchischen Tendenzen können tiefschürfendem Unmut in uns auslösen. Ohnmacht bezüglich der eigenen politischen Machtausübung ist dann die Folge, da Enttäuschung und Ernüchterung auf oft mühsam aufrechterhaltene Hoffnung folgen.
Statt in Willensbildung mündet berechtigte Wut jedoch nicht selten in Resignation und Rage. In diese Wunde stechen autoritäre bis neofaschistische Kräfte. Von der rechtsextremen AfD und rechtsextremen Think-Tanks bis hin zu fossilfaschistischen Medienkonzernen wie der Springerpresse.
Trump macht es aktuell vor. Seine faschistische Agenda – eingebettet in das „Project 2025“ – zeigt, wohin die Höllenfahrt des demokratischen Zerfalls führen kann. Enttäuschte Menschen wählen einen offensichtlichen Faschisten, der ihnen Heilsversprechungen macht, indem er marginalisierte Gruppen als Schuldige stilisiert, Desinformation und Verschwörungserzählungen als Politikstil etabliert, sowie soziale Freiheit einschränkt und durch Gleichschaltung ersetzt. Dies zeigt wie hilf- und orientierungslos die Bewohner*innen demokratischer Staaten, durch die immer wiederkehrenden Enttäuschung politischer Entscheidungen und die Furcht vor anwachsende Krisen, bereits sind.
Das Substrat für einen neuen Faschismus könnte kaum nährreicher sein.
Feudalfaschismus
“Wer den Kapitalismus inkonsequent herausfordert, bekommt Faschismus als Antwort."
Um ihre Machtbereiche fortlaufend auszuweiten, paktieren Überreiche mit neofaschistischen Akteur*innen. Wenn Überreiche dazu in der Lage ist, nicht nur medial Diskurse zu lenken, sondern auch Wahlen von souveränen Staaten maßgeblich zu beeinflussen, dann erscheint der Begriff des Rechtslibertarismus als ungenügend, wenn es darum geht sie ideologisch einzuordnen.
Vielmehr haben wir es mit einer neuen Form von Feudalismus zu tun: Überreiche machen gemeinsame Sache mit Faschist*innen und versuchen sie in Regierungen zu installieren. Doch erscheint ihnen Faschismus nicht nur ein Mittel zur Durchsetzung ihrer Interessen zu sein. So verbreiten sie selbst mit Populismus und Propaganda Angst, Hass, Lügen und Verschwörungserzählungen.
Während Kritiker*innen sich bisher, in Debatten um die Zusammenhänge von Kapitalismus und Faschismus, zu sehr auf fossilfaschistische Kollaborationen konzentriert haben, wird nun klar, dass Big Tech-Faschisten bisweilen auch ohne fossilen Fokus ihre Machtkonzentration ausweiten: Der Feudalfaschismus scheint geboren.
Propaganda & Populismus
Die Rolle von Medienkonzernen am Beispiel Springer
Ein bezeichnendes Beispiel für die Enflussnahme Überreicher und Großkonzerne auf die öffentliche Meinungsbildung ist der Springer-Konzern und die interessengeleitete Einflussnahme seiner Anteilseigner. Besonders zu erwähnen ist der US-Finanzinvestor KKR (einer der größten Investoren in fossile Energien). So dient Springer als Instrument von milliardenschweren Fake-News-Kampagnen gegen alles, was die fossile Hegemonie infrage stellt.
Die sozialökologische Frage
Die soziale Frage unserer Zeit ist ohne die ökologische Dimension nicht zu denken.
Da die Ausbeutung & Unterdrückung von Menschen stets mit der Ausbeutung & Zerstörung der zur Ressource abgewerteten Natur/Umwelt einhergeht, ist die ökologische Komponente immanenter Teil der sozialen Frage. Die Zuspitzung der ökologischen Katastrophe und das damit verbundene Artensterben, die Erhitzung der Erdatmosphäre sowie die Verödung, Vermüllung, Verseuchung & Vergiftung sowie unwiederbringliche Zerstörung der Natur waren nie so weit fortgeschritten wie in der Gegenwart.
Die Weltgesellschaft ist in der heutigen Zeit komplexen ökonomisch bedingten sowie ökologisch und sozioökonomisch wirkenden Krisenphänomenen ausgesetzt. Deren Ursachen liegen in der fortlaufenden Zerstörung planetarer Lebensgrundlagen und der Ungleichverteilung von Macht, Zugangsmöglichkeiten, Entscheidungsgewalt und Ressourcen. Spätestens seit der europäischen Kolonisierung weiter Teile der Welt und der damit einhergehenden Ausbreitung sowie Etablierung kapitalistischer Wertschöpfungslogik und patriarchaler Ideologie sind ökologische Zerstörungsakte und sozioökonomische Ungleichheitsverhältnisse bestimmend für welt- und innergesellschaftliche Machtgefüge. Zunehmend führen diese Krisenphänomene zum Kollabieren (welt-)gesellschaftlicher (Sub-)Systeme, was sich in einer Gesamtbetrachtung als sozialökologische Kollapserscheinungen bezeichnen lässt.
Um Antworten & Lösungen darauf zu finden, ist es geboten die soziale Frage der Gegenwart, um die ökologische Komponente zu erweitern.
Faktor Mensch
Wenn es auch Ausnahmen geben mag, so zeigt die Historie, dass das Erfahren von zu viel Macht den Menschen verdirbt.
Mag er zu Beginn auch motiviert mit seinem Einfluss Gutes zu tun, kann das Machtgefühl dieses Bestreben durchkreuzen.
Ganz besonders, wenn diese Macht zu schwinden scheint. Mächtige sind zu allem bereit, um ihre Macht zu erhalten.
Wir alle können diesem Fatalismus verfallen. Vor allem dann, wenn wir in dieser patriarchalen Weltgesellschaft CiS-männlich, weiß und gut situiert sind.
Entscheidungsmacht
“Besitz schafft Macht: Wer besitzt, verfügt. Wer verfügt, entscheidet. Wer entscheidet, übt Macht aus.”
Die Beseitigung von Ungleichheiten und die Beendigung der Zerstörung planetarer Lebensgrundlagen können nicht ohne eine Umstrukturierung bestehender Eigentumsverhältnisse bewältigt werden. Nur wenn diejenigen Menschen, die von ökonomischen und ökologischen Lebensgrundlagen abhängig sind, auch über diese verfügen und entscheiden, kann der ausbeuterischen Destruktivität ein gutes Leben entgegengestellt werden.
Fazit: Überreichen und Großkonzernen muss Macht entzogen und auf die Gesellschaft transferiert werden.
Gemeinschaftlichkeit
“Wenn viele mitentscheiden, sind viele frei!”
Um Überreichen & Großkonzernen sowie rechten & faschistischen Kräften die Substanz zu entziehen, bedarf es Möglichkeitsräume für Selbstwirksamkeitserfahrungen, in denen wir uns und andere als solidarische und loyale Individuen erleben. Selbstverwaltung ist damit Mittel und Zweck zugleich. Durch Enteignung & Vergesellschaftung können diese Möglichkeitsräume geschaffen werden. Sie bieten allem voran Netzwerke, die in Krisenzeiten kompensatorisch wirken und der Entstehung von Verknappung und Vereinsamung vorbeugen können.
Solidarische Gemeinschaftlichkeit bietet Befreiungspotentiale von übergeordneten Zwängen, die im Neoliberal-Kapitalismus unumgänglich sind. Kollektivität ist so nicht als Freiheitsbegrenzend zu betrachten, ganz im Gegenteil gewährleistet sie eine Gegenwart und vor allem Zukunft mit Entfaltungs- und Sicherheitspotential.
Es geht um nicht weniger, als zu entscheiden, ob wir kurzweilige Befriedigung durch Konsum und Egoismus, oder solidarische Gemeinsamkeit für ein mündiges und zukunftsaffines Leben priorisieren.
Vergesellschaftung & Selbstverwaltung
Kollektivität als Schlüssel für die Lösungsfindung
Wer ist schneller: Der Feudalfaschismus oder der sozialökologische Kollaps?
Dies ist verstrickt. So ist es auf den ersten Blick nicht immer leicht, zu verstehen, dass die fortlaufende Zerstörung von planetaren und lokalen Ökosystemen zu Systemzusammenbrüchen, in der Weltgesellschaft als Ganzes führen wird. Doch bevor es zu gänzlichen ökologischen Ausfällen kommt, werden die Symptome sozialer & ökologischer Zusammenbrüche Gesellschaften soweit destabilisiert haben, dass autoritäre oder gar totalitäre Regierungsformen an die Stelle der mehr oder weniger freiheitlichen Demokratie treten werden.
Diese Tendenz können wir in Deutschland bereits beobachten. Eine Mischung aus zahlreichen Faktoren und Akteur*innen erzeugt bereits jetzt eine essentielle Gefahr: Die Angst vor den Folgen des sozialökologischen Kollapses; die Leugnung wissenschaftlicher Fakten und real existierender Katastrophenereignisse; dafür verantwortliche Propaganda von fossilfaschistischen Koalitionen. Letztere bestehen aus der Springerpresse und anderen noch extremeren Propagandablättern, rechtskonservativen, rechts-neoliberalen (CDU/CSU und FDP) Parteien und einem ganzen Sammelbecken an rechtsradikalen, -extremen und faschistischen Kräften (AfD, Identitäre Bewegung, Neue Rechte u.a.).
Selbst die vermeintlich linksliberalen Parteien, wie SPD und Grüne, haben längst Moral und Anstand über Bord geworfen und beteiligen sich am Überbietungswettbewerb rechter Narrative, in der Hoffnung Stimmen für sich zu gewinnen. Doch erweisen sie sich nicht nur als unzuverlässig, wenn es darum geht die rhetorische Brandmauer nach rechts aufrechtzuerhalten, auch das Frönen neoliberaler Ausbeutungsideologie ist Teil ihrer Agenda. So sind auch sie Bestandteil einer wenig vertrauenswürdigen Politikriege, die ihre Entscheidungen mehrheitlich nach den Interessen des Profitlobbyismus richten.
Für das demokratische Souverän erweisen sie sich zunehmend als unzuverlässig, unberechenbar und unlauter, so dass der Unmut in der Gesellschaft weiter anwächst. Ein vielversprechendes Fundament für rechte Rattenfänger*innen, deren „Lieder“ von der angeblichen demokratischen Mitte einst komponiert und mittlerweile auch gesungen werden.
Vergesellschaftung als Bastion gegen die zweigliedrige Zerstörung des freien Lebens
Um die erneute Gefahr eines faschistischen Systems zu verhindern, muss dem deutschen Regierungssystem, das vom Profitlobbyismus durchzogen ist, Unterstützung zukommen. Eine (echte) Demokratie besteht aus mehr als gewählten Volksvertreter*innen, deren Handlungsfähigkeit und -wille in zu vielen essenziellen Belangen von einer oligarchischen Lightversion bestimmt wird. Wer den Kapitalismus inkonsequent herausfordert, bekommt Faschismus als Antwort.
Nur die Selbstermächtigung der Gesellschaft als Souverän wird imstande sein, der unwiederbringlichen Zerstörung von Lebensgrundlagen, Freiheit und Gerechtigkeit wirksam und rechtzeitig Grenzen aufzuzeigen: Vergesellschaftung ist nach diesem Verständnis nichts weniger als eine Bastion gegen die untrennbare zweigliedrige Zerstörung des freien Lebens.
Gleichzeitig muss ein Vergesellschaftungsprozess kritisch mit dem Wesen des Kollektivs umgehen, das es voraussetzt, vertreten will und dem es Selbstwirksamkeit ermöglichen will. Ein Blick in die Geschichte des ‚Dritten Reiches‘ und die Politik rechter Akteur*innen heute zeigt, dass die dualen Strategien der Enteignung und Vergesellschaftung effektiv genutzt werden können, um die Interessen einer als homogen angesehenen Mehrheit gegen die einer als Gegner*innen diffamierten Minderheit durchzusetzen. Die Frage, wie eine Gesellschaft und deren vorherrschenden politischen Institutionen, die durch Machtungleichheit strukturiert sind, durch einen Vergesellschaftungsprozess zu einer gerechten Verteilung an Macht kommen kann, ist demnach eine essenzielle, die sich jedes Vergesellschaftungsprojekt stellen muss.
Wir sollten uns also beeilen. Wenn wir kein neues „Wir“ schaffen, dann macht es der Feudalfaschismus. Dieses „Wir“ wird jedoch ein exkludierendes, völkisches und sehr gewaltvolles sein.
"Wir müssen verstehen: Das Leben auf der Erdoberfläche wird immer schneller ausgerottet und ein sozialökologischer Kollaps gewinnt an Wahrscheinlichkeit."
Tino Pfaff